..Tausende Menschen mit schaurig anmutenden Kostümen ziehen durch die Städte und Dörfer, auf ihren Köpfen ragen spitzige Hüte gen Himmel, meterhohe Statuen von Jesus und der heiligen Maria werden durch die Straßen getragen, während die Melodien von Trommeln und Blaskapellen durch die Luft schallen: so spektakulär sehen die Feierlichkeiten zur Karwoche in Spanien aus.
Die spanische Karwoche trägt den Namen Semana Santa, auf deutsch die „heilige Woche“. Die Anfänge dieser Tradition reichen bis in das 15. Jahrhundert zurück. Bis heute ist die Semana Santa eine der wichtigsten kulturellen Festlichkeiten des Landes und wird in allen Ecken Spaniens zelebriert. Jede Stadt und jedes Dorf verwandelt sich dann in ein großes Fest…
Die Semana-Santa-Prozessionen in Andalusiens Hauptstadt Sevilla gelten als die berühmtesten und bekanntesten in ganz Spanien. Im Süden des Landes gelegen, herrschen dort zur Karwoche meist schon warme Temperaturen – so machen die Feierlichkeiten zur Semana Santa gleich doppelt Freude.
Die aufwändigen Paraden werden von 71 Bruderschaften mit rund 50.000 Anhängern organisiert. Sie finden täglich am Nachmittag und Abend statt. Herzstück der Umzüge sind die Pasos. Das sind die Festwagen mit riesigen, kunstvoll verzierten Statuten von Jesus oder der heiligen Maria. Die sogenannten Costaleros tragen diese Statuen teils stundenlang auf ihren Schultern durch die Straßen. Dazu binden sie sich ein Kopftuch um, das am Nacken verstärkt ist. Begleitet werden sie von den Büßern, deren Gesichter durch Kapuzen und spitzige Hüte verdeckt sind. Den Prozessionen voran schreiten Musiker, die den Umzug begleiten.
Still wird es auf den Straßen nur, während eine Saeta erklingt. Das ist ein religiöses Klagelied. Dafür platzieren sich die Sängerinnen und Sänger auf Balkonen entlang der Strecke. Wenn sie von oben herab ihre Melodien singen, lauscht die ganze Menge andächtig – Gänsehaut pur.
Höhepunkt der Semana Santa in Sevilla ist „La Madrugá“, übersetzt die Morgenröte. In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag tragen ausgewählte Bruderschaften die am meisten verehrten Pasos durch die Stadt. Bis in den Morgengrauen sind die Straßen dann voller ausgelassener Menschen, die einen Blick auf die wertvollen Statuen erhaschen möchten.
Auch in der Stadt Málaga an der Küste Andalusiens wird die Semana Santa ausgiebig gefeiert. Wer also Ostern am Strand verbringen und ein kulturelles Highlight erleben möchte, sollte in die Küstenstadt reisen.
Ganze 45 Prozessionen ziehen während der Karwoche durch die Stadt. Einen großartigen Blick auf das festliche Treiben haben Gäste von der Tribuna de los Pobres. Das ist eine Treppe mit 16 Stufen am Ende der Calle Carretería. Die kostenlosen Plätze sind äußerst beliebt – wer hier sitzen möchte, sollte also möglichst frühzeitig vor Ort sein.
Die Festwagen mit den Heiligenbildern heißen in Málaga tronos (deutsch: Throne) und sind breiter als die pasos in Sevilla. Sie werden nicht auf dem Nacken, sondern an Stangen auf den Schultern getragen. Die Männer, die die Throne tragen, heißen „hombres de trono“. Die Festwagen sind geschmückt mit Nelken, Rosen, Tulpen und vielen anderen Blumen, deren Düfte die Luft erfüllen, dazu mischt sich der charakteristische Weihrauch-Geruch. Begleitet werden die Umzüge von verschiedenen Kapellen, vor allem Blas- und Trommelmusik schallt durch die Straßen. So wird die Semana Santa in Málaga zu einem Fest für alle Sinne.
Was die Karwoche in Málaga außerdem auszeichnet: Jedes Jahr wird ein Strafgefangener begnadigt. Die feierliche Zeremonie findet am Karmittwoch in der Nähe des Plaza de la Aduana statt. Dabei kniet der Häftling vor dem Thron, während das Freiheitsdelikt verlesen wird. Anschließend wird ihm von der Heiligenfigur der Segen erteilt. Diese besondere Tradition geht bis auf das Jahr 1759 zurück.
Wer die Semana Santa außerhalb der großen Stadt und des Trubels erleben möchte, fährt nach El Rocío. Das kleine Dorf ist rund eine Autostunde von Sevilla entfernt und einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Spaniens. Während der Semana Santa finden in El Rocío verschiedene Gottesdienste und Prozessionen statt.
Die religiöse Bedeutung von El Rocío geht auf eine Legende aus dem 13. Jahrhundert zurück: Demnach hat ein Hirte eine Statue der Jungfrau Maria in einem Baum in der Nähe des heutigen Dorfes gefunden. Er wollte sie mit nach Hause nehmen, doch jedes Mal, wenn er eine Pause eingelegt hat, ist sie an ihren Fundort zurückgekehrt. Genau dort befindet sich heute die Ermita del Rocío, die Wallfahrtskirche des Dorfes.
Was El Rocío außerdem besonders macht: Das Dorf erinnert an den wilden Westen, es gibt keine befestigten Straßen, stattdessen führen breite Wege aus Sand an weißen Häuschen vorbei. Transportmittel der Wahl sind Pferde – deshalb stehen auch vor jedem Haus Anbindebalken bereit.
Lifestyle-2-Go Tipp
Spoiler-Alarm: die Prozessionen werden von beeindruckenden Trommeln begleitet. Gemeinsam mit den hohen Hüten, die nur die Augen offen lassen, sind die Prozessionen besonders am Abend ein Spektakel mit Gänsehaut.
Was genau ist die Semana Santa und wann findet sie statt?
Die Semana Santa – auf Deutsch „Heilige Woche“ – ist die spanische Karwoche und findet jährlich in der Woche vor Ostern statt. Die Tradition reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück und zählt heute zu den bedeutendsten kulturellen Festen Spaniens. In ganz Andalusien verwandeln sich Städte und Dörfer in große Festmeilen mit Prozessionen, Musik und kunstvoll geschmückten Festwagen.
Was ist der Unterschied zwischen der Semana Santa in Sevilla und in Málaga?
Beide Städte feiern die Semana Santa mit großen Prozessionen, aber mit eigenen Traditionen: In Sevilla werden die Festwagen – die sogenannten Pasos – von den Costaleros auf dem Nacken getragen, organisiert von 71 Bruderschaften mit rund 50.000 Mitgliedern. In Málaga hingegen heißen die Festwagen Tronos (Throne), sind breiter und werden an Stangen auf den Schultern getragen. Málaga hat zudem eine einzigartige Besonderheit: Jedes Jahr wird am Karmittwoch ein Strafgefangener begnadigt – eine Tradition seit 1759.
Wo lässt sich die Semana Santa abseits der Großstädte erleben?
Das kleine Dorf El Rocío, etwa eine Autostunde von Sevilla entfernt, ist ein besonderes Geheimtipp. Als einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Spaniens bietet es Gottesdienste und Prozessionen in einer ganz anderen Atmosphäre: unbefestigte Sandwege, weiße Häuschen und Pferde als Transportmittel verleihen dem Ort den Charme des Wilden Westens – kombiniert mit tiefer religiöser Tradition.