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„Kommet und schauet“ – Fremde zum Krippenschau(g)n im privaten Wohnzimmer, ganz normal, oder?

Jeder kennt sie: die Krippe. Sie steht in den Kirchen und an öffentlichen Plätzen und reicht von einer schlichten, modernen Gestaltung bis hin zu opulenten Bildergeschichten über mehrere Meter Länge. Im Stil orientalisch oder heimatlich (wobei das eben von Heimat zu Heimat variiert) findet man Krippen von Nordeuropa bis Sizilien.

Besonders stark verbreitet sind die Krippen im alpinen Raum. Nicht nur in den Kirchen und auf Dorfplätzen, sondern auch bzw. vor allem in privaten Häusern. Der Krippenbau in den alpinen Tälern lässt sich wenigstens bis ins 16./17. Jahrhundert zurück belegen, vor allem auf den Bauernhöfen. Das hängt wohl auch mit den langen Wintern zusammen, die das Leben in die Stuben und zum Handwerk drängten. Begonnen mit Krippen aus Papier, entstanden bald wunderbare Holzkrippen, die oft von Generation zu Generation weitergegeben und erweitert wurden. Mit der Aufklärung und dem bayerischen Krippenverbot (damals gehörten Teile Tirols zu Bayern) wurden die Krippen am Ende des 18. Jhdt bis zur Mitte des 19. Jhdt. aus dem öffentlichen Raum in die Privathäuser verdrängt.

Das Schnitzen der Krippenfiguren und der Bau der Krippe, der Umgebung und des „Himmels“ ist gelebtes, lebendiges Brauchtum bis heute. Die Hochburgen dieser alpinen Krippentradition finden sich heute im österreichischen Tirol und im Salzkammergut. Es ist jedoch mit dem Bau, dem Schnitzen und dem Bemalen nicht getan. Denn was wäre das Prachtstück von Krippe, wenn es außer der eigenen Familie keiner sehen kann?

So entstand der Brauch des „Krippenschau(g)ns“. Man geht auch heute noch jedes Jahr in der Weihnachtszeit mit der eigenen Familie und mit Freunden durchs Dorf, besucht die Nachbarn und schaut, wie deren Krippe dieses Jahr gestaltet wurde. Gibt es neue Figuren, eventuell sogar Zukäufe von berühmten Krippenbauern oder ein neuer Aufbau? Man fachsimpelt, erzählt sich nebenbei was es sonst so Neues gibt und geht nach 15 bis 20 Minuten weiter zum nächsten Haus. Natürlich nicht, ohne ein Schlückchen vom Gloriawasser zu probieren. Was das ist? Nun, wir raten dazu, vorher gut zu essen…

Besonders berühmt für diese Tradition sind die Orte Nassereith, Thaur und Absam in Tirol sowie Bad Goisern im Salzkammergut. Da coronabedingt die klassischen Hausbesuche diesen Winter nicht möglich sind, hatte man die Krippenschau kurzerhand in die Schaufenster von ohnehin geschlossenen Geschäften während der Feiertage verlegt. So hatten die Einheimischen am Ende doch ein bisschen „Krippen-Feeling“.

Im Übrigen dauert die Weihnachtszeit in den Alpenregionen bis Maria Lichtmess – also bis zum 2. Februar. Bis dorthin dürfen die Krippen stehen bleiben, auch wenn sie mancherorts bereits zu Heilig Drei König, also am 6. Januar, abgebaut werden. Schade eigentlich.

Gut zu wissen

Lifestyle-2-Go Tipp:

Ihr fragt euch, wie ihr die Häuser findet, in die man einfach so hineinspazieren kann? Am besten ihr fragt eure Gastgeber vor Ort – vermutlich sind sie entweder selbst Bestandteil einer Dorfrunde oder können euch genau sagen, wann und wo ihr herzlich willkommen seid. Nur keine falsche Bescheidenheit: jede/r KrippenbauerIn freut sich, wenn man ehrliches Interesse an diesen Schätzen zeigt!

Autor: Redaktion

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